Abano & Montegrotto Terme
... wo der Teufel baden geht

Hundemord im Urlaubsparadies (anklicken zum Vergrößern)Wenn man die Lebensmitte durchschritten hat, kommt man dem Teufel immer näher. Und manchmal versucht sich dieser finstere Geselle bereits vorzeitig in den Knochen und Gelenken einzunisten.

Höchste Zeit, etwas dagegen zu unternehmen, z.B. durch eine Kur.

Ein idealer Ort für die Revitalisierung von Körper und Geist sind die Thermen von Abano und Montegrotto, bei Padua, 42 km westlich von Venedig. Die Vulkanschichten der angrenzenden Euganäischen Hügel haben der Menschheit zwei herausragende Gaben hinterlassen.

Ein typischer Kurtag: Morgens Fango, danach Massage und Schwimmen im warmen Heilwasser. Die Wirkung ist verblüffend. Kleinere und größere Wehwehchen in den Gelenken werden zurück gebildet, das Bindegewebe regeneriert, der Organismus als Ganzes wird stimuliert und reaktiviert.

Tagsüber dann kleinere und größere Ausflüge in die Umgebung: wandern in den Bergen, mit dem Zug ins 42 km entfernte Venedig, der legendären Kunst- und Wasserstadt oder mit dem Fahrrad entlang der zahlreichen Kanäle, z.B. ins 10 km entfernte Padua; eine antike Stadt voller Leben; Streckentipps siehe Wandertouren durch Venetien.

Auf einen kurzen Nenner gebracht könnte man ausrufen:

Tutto bellissimo: clima, cultura, cucina !

Was die Temperaturen anbetrifft, können wir Nordländer uns wahrlich nicht beklagen. Selbst im November und Dezember ist es noch warm und sonnig, ausgenommen an gelegentlichen Regentagen. Und auch dann von Trübsal keine Spur, denn der milde Regen prickelt zart wie Champagner auf der Haut.

Vom Wetter auf das Ambiente zu schließen ist allerdings gewagt, zumindest in der Umgebung von Abano und Montegrotto. Denn es herrscht eine Atmosphäre wie in einer deutschen Enklave: überall Hinweisschilder auf Deutsches Bier, Deutschen Filterkaffee, Deutsches Fernsehen. Mallorca lässt grüßen.

Man spricht deutsch

Und über alledem ein Hauch von Ruhe, Ordnung und Reinlichkeit. Wer meint, er könne hier in den mediterranen Alltag eintauchen und die 1000 Worte Küchenitalienisch vom letzten Volkshochschulkurs auffrischen, wird wahrscheinlich enttäuscht. Al mercato

Doch machen wir einen Versuch: Auf dem Markt duftet es nach frisch gerösteten Maronen. Wir fragen, ob sie gut sind: „Sono buone le marrone?" Laut Buongiorno 1, Italienisch für Anfänger, müsste die Antwort lauten: „Buonissime!". Doch die Verkäuferin antwortet entgegen dem Lehrbuch mit „Sehr gut!". So schnell geben wir nicht auf und fragen nach dem Preis für 100 Gramm:  „Quanto costano all’etto?" Antwort: „Ein EURO !".

Längst vorbei auch die Zeiten, wo man mit Spruchweisheiten wie dieser brillieren konnte:

Der Deutsche lebt, um zu arbeiten,
der Italiener arbeitet, um zu leben.

Denn zumindest in den Nordprovinzen von Bella Italia ist es mittlerweile nicht viel anders als in Deutschland. Moneta ist angesagt ... und Mobilität. Die Lebensbedingungen in Mitteleuropa gleichen sich immer mehr an.

Aber manchmal blitzt es doch hervor, die mediterrane Lebensart, meistens unverhofft, wenn man es gar nicht erwartet, z.B. bei einer Busfahrt von Montegrotto nach Padua. Während wir noch an der Haltestelle mit anderen Touristen über südländische Pünktlichkeit diskutieren, taucht plötzlich der Bus auf. Wir wollen beim Fahrer zwei Fahrscheine nach Padua lösen, doch der schüttelt nur den Kopf und bittet uns Platz zu nehmen. An der nächsten Haltestelle dann ein dezenter Hinweis auf den nächsten Tabakladen und die Aufforderung:

Ciao a tutti ! „Ecco, i biglietti !"

Und dann geschieht das Wunder. Der vollbesetzte Bus wartet ohne Murren, bis wir die Billets erstanden und 2 Minuten später wieder unsere Plätze eingenommen haben, wobei wir uns natürlich mit einem herzlichen „mille grazie" bei dem freundlichen Busfahrer bedankt haben.

Arrivederci ed alla prossima volta !